Das bin ich jetzt, denn ich habe im Jahr 1996 unwiderruflich die Geschäfte der Herrmannsdorfer Landwerkstätten in die Hände meines Sohnes Karl gelegt – was der Bauer und Unternehmer rechtzeitig tun muss. In Herrmannsdorf habe ich vor nun über 30 Jahren noch einmal ganz neu angefangen und zusammen mit meinen Söhnen und vielen Wegbegleitern meine Vision von einem Leben und Arbeiten im besseren Einklang mit der Natur verwirklicht.

Verehrte Freunde,
es ist eine Freude, sich im Alter gemächlich zurückzulehnen und darüber nachzusinnen, was im eigenen Leben wirklich wichtig war und was es wert ist, an die Kinder- und Enkelgeneration weitergegeben zu werden.
Das habe ich getan – Wissen und Erfahrungen in poetische Geschichten gepackt und daraus kleine Filme gemacht. Diese möchte ich Ihnen nun gerne im Rahmen meines neuen Internetauftritts zeigen.
Karl Ludwig Schweisfurth

Wie alles begann

Meine Lehr- und Wanderzeit in Amerika Mitte der 1950er Jahre hat mich für dreißig Jahre geprägt. Die ersten Fließbänder, die ersten Verpackungsautomaten und die ersten elektronischen Datenverarbeitungsmaschinen standen bei Herta. Der technische Fortschritt beherrschte unser Tun. Wir waren Pioniere der Moderne. Anfang der 1980er Jahre kamen meine ersten Zweifel.

Schweisfurths alter Laden in Herten

Ich hatte von meinem Vater gelernt, dass in seinem Unternehmen der Mensch im Mittelpunkt steht (und nicht die Maschine). Das wurde auch so gelebt. Ich spürte, dass ich meine sozialen Wertvorstellungen und meine Achtung für die bodenständigen Handwerker nicht durchhalten würde, wenn der Mensch nur noch als Kostenfaktor betrachtet wird. Ich merkte, dass die Qualität meiner Lebensmittel unter dem mörderischen Druck des Wettbewerbs unmerklich verloren ging.

„Wer mit Boden, Pflanzen und Tieren umgeht und Lebens-Mittel für Menschen erzeugt, trägt hohe Verantwortung. Wir brauchen ethische Grundwerte, die uns sagen, was wir tun müssen und was wir nicht tun dürfen, sonst sind wir ohne Orientierung.“

Karl Ludwig Schweisfurth

Die Wende

Irgendwann war das Maß voll. Beim jährlichen Fasten im Januar 1984 war die Wende da. Die Botschaft: Höre auf und fange neu an – klein, überschaubar und mit menschlichem Maß. Wieder alles zusammenbringen, was zusammengehört: die Bauern, die Lebensmittel-Handwerker und die passionierten Verkäufer als Mittler zum Verbraucher.

Ich wollte die vom Aussterben bedrohte, gute alte Handwerkskunst der Bauern, Metzger, Bäcker, Käser, Brauer etc. wieder zurückholen, natürlich ökologisch. Der Mensch sollte wieder in den Mittelpunkt gestellt werden. Über allem standen meine Vorstellungen vom „Leben und Arbeiten im besseren Einklang mit der Natur“. Das war auch der Leitgedanke der gleichzeitig gegründeten Schweisfurth-Stiftung. Von Anfang an waren da Wertvorstellungen jenseits von Effizienz und Rationalität sowie die Überzeugung, dass da außer Waren und Preisen auch ethische Werte, wie die Würde von Mensch und Tier oder der achtsame Umgang mit der Natur, ihre Bedeutung haben. Ich erinnere mich, dass ich am Anfang für solche Gedanken als Spinner angesehen wurde.

Karl Ludwig Schweisfurth

Mir war klar, dass solche Ansprüche an Leben und Arbeiten, an Denken und Handeln höhere Preise für unsere Lebens-Mittel zur Folge haben würde. Ich wollte wieder „Mittel zum Leben“ erzeugen und nicht billige Nahrung produzieren. Es war ein langer Weg, den Menschen glaubhaft zu kommunizieren, dass ein Schnitzel nicht gleich ein Schnitzel und ein Ei nicht gleich ein Ei ist und dass es da gravierende Unterschiede in der ethischen sowie in der Geschmacks- und Gesundheitsqualität gibt. Letztendlich musste ich beweisen, dass sich eine solche Philosophie auch rechnet und dass die Summe der Einnahmen größer sein wird als die Summe der Ausgaben.

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