„Zweinutzung“ – gut für die Hähne und gut für uns!

Hennen legen Eier. Brütet man sie aus, schlüpfen daraus Hennen und Hähne. Hähne legen keine Eier. Deshalb ist für sie in unserer modernen Welt kein Platz. Sie werden als Küken getötet. Die Hühnerhaltung in Herrmannsdorf ist anders. Wir machen das, was früher normal war: Wir nutzen Hahn und Henne. So entstehen Produkte von hervorragender Qualität: Köstliche, gesunde Eier und leckeres, unverwechselbares Fleisch mit Charakter. Überzeugen Sie sich selbst!
Seit 2008 setzen wir dem Trend der Industrialisierung und der Monopolisierung der Tierzucht ein klares Zeichen entgegen. Wir haben uns der Zucht und Haltung von vitalen und robusten Landhühnern verschrieben, die gleichzeitig ausreichend Eier legen und Fleisch ansetzen.
Schon seit einigen Jahren ist das von den Bauernhöfen verschwundene Huhn eine Herzensangelegenheit für uns Herrmannsdorfer. Denn in der Geflügelbranche setzt man auf Masse statt Klasse und auf spezialisierte Hybrid-Rassen, die weltweit überwiegend von nur drei bis vier Großkonzernen stammen. Da die Brüder der Hybrid-Legehennen nur wenig Fleisch ansetzen können, werden die männlichen Küken gleich nach dem Schlüpfen getötet. Die Hybrid-Masthühner wachsen in 28 Tagen von 60 g auf ca. 1,8 kg, am Ende können Skelett und Füße das Gewicht der schnell aufgebauten Muskelmasse gar nicht mehr tragen. Ihr kurzes Leben besteht daher fast ausschließlich aus Liegen, Fressen und Trinken.

Leistungsfähige und robuste Zweinutzungsrassen mit einer guten Lege- und Mastleistung sind nahezu ausgestorben, weil sie nicht billig genug „produziert“ werden können. Für uns Herrmannsdorfer ist das System der industriellen Hühnerhaltung rein ethisch nicht vertretbar. Dem wollen wir nicht länger zuschauen.

„Eine wahre sinnerfüllte Freude ist es, frohwüchsige, fruchtbare und vor allem gesunde Hühner zu halten und zu züchten, die optimal an unser Futter, unser Klima, unsere Haltungsform und unsere Keim- und Bakterienfauna und -flora angepasst sind.“

Georg Zankl

Etwas anpacken, etwas bewegen

Wir sind 2008 als eine der Ersten einen Schritt zurück in die Zukunft gegangen, haben Zweinutzungshühner aus Triesdorf eingestallt und so anderen Landwirten den Anstoß gegeben, sich mit der Thematik praktisch auseinander zu setzen. Seitdem ist einiges passiert. Bei uns am Hof und anderswo.
Wir haben inzwischen viel Erfahrung gesammelt und die nötige Struktur geschaffen, angefangen von modernen Ställen über die Eierpackstelle bis hin zur hofeigenen Geflügelschlachtung. In Herrmannsdorf haben wir alles in eigener Hand!
Wir werden mit unserer Arbeit ernst genommen. 2012 haben wir den Förderpreis ökologischer Landbau bekommen. Wir sind regelmäßig unterwegs auf Treffen und Tagungen, um uns mit anderen Hühnerhaltern und Experten auszutauschen. In Sachen Zucht arbeiten wir weiterhin mit der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Triesdorf zusammen, um neue Kreuzungen zu testen. Seit 2015 arbeiten wir auch eng mit der Ökologischen Tierzucht gGmbH zusammen. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt die Zucht von Zweinutzungshühnern in der ökologischen Landwirtschaft weiter voran zu treiben. So bleiben wir ständig am Ball, werden immer besser und sind deshalb ganz vorn mit dabei.

So machen wir‘s – Der Herrmannsdorfer Weg

Viele Wege führen nach Rom und wir begrüßen jede Initiative, die sich der Herausforderung „Zweinutzungshuhn“ stellt.
Elementar wichtig ist für uns ein geschlossener Kreislauf in der Hühnerzucht. Unsere Legehennen sind gleichzeitig auch unsere Elterntiere. So ziehen wir von den vitalsten, gesündesten und leistungsstärksten Tieren nach. Wir haben zur Zeit drei Brutschränke mit denen wir unsere Nachzucht garantieren. Nach dem Schlüpfen kommen unsere „Herrmannsdorfer“ in unseren Kükenaufzuchtstall und dann nach 4 bis 6 Wochen in unsere Mobilställe. Die Hennen werden bei uns und unseren Partnerbauern aufgestallt und liefern die kostbaren Herrmannsdorfer Landhuhn Eier. Nach ca. 15 Legemonaten werden dann diese Hennen bei uns in unserer eigenen Geflügelschlachtung zu deftigen Suppenhühnern „weiterveredelt“.
Die männlichen Brüder dürfen 4 bis 5 Monate auf den Herrmannsdorfer Weiden zusammen mit Schweinen und Rindern verbringen, bevor sie achtungsvoll geschlachtet werden.
Oberste Gebote unserer Hühnerhaltung sind Tierwohl und Qualität der Produkte. Das Huhn soll seinen Wert zurückbekommen! Unsere Hähne sind Sonntagsbraten und kein Verarbeitungsfleisch.


Herrmannsdorfer Landhuhnküken

Bei uns haben die Hühner Rasse

So experimentieren wir mit verschiedenen Rassehühnern, wie den ruhigen steiermärkischen Sulmtalern und den temperamentvollen französischen Les-Bleues-Hühnern. Bisweilen testen wir auch andere, meist alte Zweinutzungsrassen. Leider sind die heutigen Rassehühner nicht mehr so fruchtbar und leistungsstark wie in den Nachkriegszeiten. Die Rassehühner wurden von privaten Zuchtvereinen weiter erhalten. Hätte es diese Zuchtvereine nicht gegeben, wären die Rassen heute ganz verschwunden. In den Vereinen wurde allerdings bei der Zucht die Leistungsfähigkeit vernachlässigt zu Gunsten von Schönheit und Exterieur bei der Erhaltungszucht. Bereits in der Kaiserzeit galt das Sulmtaler-Huhn, in Österreich auch als „Kaiser Gigerl“ gekannt, als exquisites Masthuhn, das vor allem dem Kaiser wegen seiner ausgezeichneten Geschmacksqualität vorbehalten war. Die Les Bleues stammen aus der Bresse-Region und gelten in Frankreich als ausgesuchte Feinschmeckerhühner. Unsere Landhühner legen 200 bis 220 Eier im Jahr – Legehybriden ca. 300. Bis zu einem Schlachtgewicht von 1,8 bis 2 kg brauchen unsere Landhühner vier bis fünf Monate.

Eigene Futterherstellung in Herrmannsdorf

Das Motto „Man ist was man (fr)isst“ gilt auch für unsere Hühner. Und diese leben nicht vom Gras allein. Das sieht man und das schmeckt man!
Seit einem Jahr werden einmal wöchentlich die verschiedenen Getreidearten frisch geschrotet zu einer ernährungsphysiologisch ausgewogenen Futterration zusammengestellt. So werden neben verschiedenen Getreide-, Hülsenfrüchte- und Ölsaatenarten auch getrocknetes und geschrotetes Kleegras, Jura-Kalksteinchen, essentielle Mineralien und Sojaöl dem Futter beigemengt. Das Sojaöl entstammt unserem Sojanetzwerk, ein Zusammenschluss von Bauern aus dem süddeutschen Raum, die für uns und unser Partnerbauern in Bayern Soja anbauen.
Der zusätzliche Arbeitsaufwand das Futter selber zu schroten und zu mischen bringt ein Hühnerfutter höchster Qualität hervor. Denn mit zunehmender Lagerzeit des reduziert sich bei zugekauften, gemahlenen Futtermischungen der Nähr- und vor allem der Vitalstoffgehalt enorm. Da vor allem der wertvolle Keim mit seinen diversen essentiellen Fettsäuren verdirbt nach der Schrotung schnell.


Herrmannsdorfer Hühnerweide

Herrmannsdorfer Mobilställe

Gute Qualität kommt nicht von ungefähr. Unsere Hühner wohnen in kleinen Verbänden und sind mit ihren modernen, hellen Ställen immer „auf Achse“. So haben sie über die Vegetationsperiode hinweg ständig Zugang zu frischem Grün, quasi direkt vor der Stalltür.
Unsere Tiere leben in meist eigens kreierten Mobilställen, in denen wir sie regelmäßig auf frische Weideflächen bringen können. Höchstens 300 Tiere leben dabei zusammen. Wir sind laufend dabei, die Mobilität der Ställe so einfach und angenehm für die Hühner und auch für die Hühnerbetreuer zu gestalten.

Unsere Partnerbauern – Familie Stahuber und Familie Wallner

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile – Entsprechend dem Konzept der Herrmannsdorfer Landwerkstätten ist auch das Landhuhn-Projekt so dimensioniert, dass die Nachfrage nach Eiern und Fleisch von unseren Zweinutzungshühnern nur mittels Kooperation mit Bio-LandwirtInnen aus der Nachbarschaft gedeckt werden kann.
Familie Stahuber, die einen Bio-Milchviehbetrieb im wenige Kilometer von Herrmannsdorf entfernten Feldkirchen betreibt, hat ein tolles Areal für Hühner und einen schönen Hof. Belebt und bewirtschaftet wird er von Menschen mit Herz, Hirn und fleißigen Händen, die hinter dem stehen, was sie tun. Familie Stahuber ist seit Herbst 2010 stolze Hüterin einer Schar von 200 Zweinutzungshennen. Diese bewohnen, gleich den unsrigen, ein Hühnermobil der Firma Weiland, freuen sich über täglichen Auslauf im Obstgarten und werden, wie unsere Hennen auch, mit Bio-Legehennenfutter gefüttert.
Seit Ende August 2015 wohnt eine weitere Gruppe der Herrmannsdorfer Landhuhner auf dem Hannerlhof der Familie Wallner. Claudia und Jakob Wallner bewirtschaften ihren landwirtschaftlichen Betrieb in Thonbichl in der Nahe von Tattenhausen schon seit vielen Jahren biologisch. Die Haupteinnahmen erzielen sie in der Haltung von Mutterkühen und der Vermarktung hofeigener Produkte. Aber auch eine kleine, bunte Truppe Hühner bereicherte schon immer den Hannerlhof und versorgte sowohl die achtköpfige Familie als auch ein paar Ab-Hof-Kunden mit beigen, grünen und braunen Eiern. Dieser Betriebszweig sollte ausgebaut werden und daher zog die nächste Herrmannsdorfer Junghennengruppe in ein neues Zuhause mit großem Grünauslauf am Thonbichler Berg um.

Die Nummer auf dem Ei

Seit 2011 haben wir eine eigene Eierpackstelle. Mit den Nummern auf dem Ei können Sie erkennen, aus welchem Stall die Eier kommen:

  • Legestall 1 in Herrmannsdorf (Les Bleues Hennen): 0-DE-091581-1
  • Legemobil 2 in Herrmannsdorf (Les Bleues Hennen): 0-DE-091581-2
  • Legemobil 3 in Herrmannsdorf (Hennen der Kreuzung Les Bleues und Sulmtaler): 0-DE-091581-3
  • Legemobil 4 in Herrmannsdorf (Les Bleues Hennen): 0-DE-091581-4
  • Legemobil bei Stahuber (Hennen der Kreuzung Les Bleues und Sulmtaler): 0-DE-091013-1
  • Legestall bei Familie Wallner (Les Bleues * Sulmtaler Hennen): 0-DE-0918471

Öffentliche Aufmerksamkeit

Das Projekt „Herrmannsdorfer Landhuhn“ hat einiges an Aufmerksamkeit erregt.
Neben zahlreichen Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften haben auch das Bayrische Fernsehen, ARTE, der SWR und andere Fernsehsender in diversen Wissenssendungen über das Herrmannsdorfer Landhuhn berichtet.

Förderpreis Ökologischer Landbau

Im Januar 2012 wurde unser Projekt schließlich mit dem „Förderpreis Ökologischer Landbau“ ausgezeichnet. Dieser Preis wird seit 12 Jahren von dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz an drei herausragende ökologische Betriebe verliehen. Es ist der bedeutendste Preis für den ökologischen Landbau in Deutschland.

Eier für alle, alle für Eier – Die Landhuhn- Communitiy

Unsere Hühner haben Fans: Über 500 Darlehensgeber haben das Projekt Herrmannsdorfer Landhuhn überhaupt erst möglich gemacht und freuen sich nun über den Erfolg.

Lernen Sie die Herrmannsdorfer Landhühner kennen

Besuchen sie unsere Hühner bei Landhuhn-Führungen zu den Kunst- und Handwerkermärkten oder am Erntedankfest.

Wer kümmert sich um‘s liebe Vieh?

Georg Zankl, Franziska Rabe, Lehrlinge und Praktikanten
landhuhn@herrmannsdorfer.de

Verkauf von Bruteiern und lebenden Hühnern

Toll, dass Sie in Ihrem Garten Platz für gefiederte Eierleger machen möchten. Leider reichen unsere Kapazitäten meist nicht aus, um Ihnen lebende Hühner oder Bruteier zu verkaufen. Wir bitten um Ihr Verständnis. Wenn Sie im Sekretariat anrufen, setzen wir Sie aber auf eine Warteliste. Rassehühner in kleinen Stückzahlen bekommen Sie bei den Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf und auf diversen Hühner- und Taubenmärkten.

Aktuelles aus dem Leben unserer Hühner

Zum Herrmannsdorfer Landhuhn-Tagebuch

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