Schweine bekommt man heute fast nie zu Gesicht – konventionell werden sie in hermetisch abgeriegelten Stallanlagen auf wenig Fläche gehalten. Ganz anders in Herrmannsdorf. Wer zu uns zu Besuch kommt, kann Schweine – egal ob die verspielten Ferkel oder die massigen Mutterschweine – aus nächster Nähe erleben. Unsere Tiere haben viel Bewegung, können zu allen Jahreszeiten raus an die frische Luft, fressen natürliches Futter – und müssen nicht so schnell wachsen, wie Schweine in konventioneller Haltung.

Alle unsere Schweine haben Auslauf

Die aufgeweckten Ferkel machen etwa ab der 3. Lebenswoche ihre ersten Erkundungen nach draußen. Vorher – je nach Jahreszeit – nur stundenweise, denn sie brauchen es warm. Die Ställe für die abgesetzten Ferkel im Hof, die Mastställe und die Ställe für die tragenden Sauen sind alle ähnlich aufgebaut: innen gibt es einen eingestreuten Bereich, in dem sich die Schweine zusammenkuscheln können und es so auch im Winter warm haben. Ihren Schlafbereich halten die Schweine immer sauber, ihr Geschäft verrichten sie draußen im Auslauf. Futter und Wasser bekommen sie im Außenbereich. Dort wird regelmäßig ausgemistet, entweder mit dem Schieber oder mit dem Hoftrecker.

Herrmannsdorfer Schweine Auslauf

Wir sind Pioniere der Bio-Schweinehaltung.

Vor bald 30 Jahren haben wir angefangen, Öko-Zucht- und Mastschweine zu halten – als einer der ersten Betriebe in Bayern. Es gab keine Vorbilder, weder bei der Gestaltung des Stalls, der Fütterung oder der Rasse, alles haben wir selbst erarbeitet und viel ausprobiert. Eine damals kaum mehr verbreitete Rasse haben wir wieder entdeckt: das Schwäbisch-Hällische Landschwein. Diese alte Nutztierrasse ist robust, weist gute Muttereigenschaften auf und liefert besonders gutes Fleisch. Da die reinrassigen Schwäbisch-Hällischen aber für heutige Verbrauchergewohnheiten zu fett sind, kreuzen wir seit jeher mit Piétrain- und auch Duroc-Ebern. So bekommen wir Mastschweine mit einer besonders guten Fleischqualität: Erkennungszeichen dafür ist der Fettrand. Das Fleisch enthält dann nämlich auch intramuskuläres Fett, das sorgt für Aroma und guten Geschmack. Diese Marmorierung zeichnet unser Fleisch in besonderer Weise aus.

Herrmannsdorfer Schwäbisch-Hällische Ferkel

Die Mutterschweine

Unsere Schweine sollen sich natürlich fortpflanzen. Der Großteil unserer Sauen wird daher per Natursprung von den Ebern gedeckt. Manchmal besamen wir künstlich: wenn wir reinrassige Schwäbisch-Hällische Muttersauen brauchen.
Die Ferkel werden im Abferkelstall geboren und verbringen die ersten Wochen gemeinsam mit ihren jeweiligen Müttern in der „Geburtsstation“. Die Sauen brauchen hier besondere Ruhe. Die Schweinehygieneverordnung verbietet den Zutritt von betriebsfremden Personen. Einige Tage vor dem Abferkeltermin beziehen die Muttersauen ihre Bucht. Die ist zwischen 6 und 7 Quadratmeter groß, hat einen Futtertrog mit Wasser, ein 30 Grad warmes Ferkelnest und eine Tür nach draußen. Dort befindet sich für jedes Muttertier und seine Ferkel eine Sonnenterrasse, die mit Stroh eingestreut ist.

In den Buchten ferkeln die Sauen frei ab. Sie können ihren angeborenen Nestbautrieb ausleben und bauen mit Stroh eine Art Nest. Schon kurz nach der Geburt suchen die Ferkel die Zitzen und fangen sofort zu trinken an. Sie sind noch wackelig auf den Beinen, darum ist es besonders wichtig, dass das Mutterschwein sehr vorsichtig ist. Wir überwachen die Geburten regelmäßig und versuchen so, allen Ferkeln, auch den schwächeren, einen optimalen Start ins Leben zu ermöglichen. Die meisten Mütter sind sehr vorsichtig, wenn sie sich hinlegen. Trotzdem ist in keinem Stall vermeidbar, dass Ferkel erdrückt werden, besonders wenn die Sauen älter sind. Immer wieder kommt es auch vor, dass Ferkel tot geboren werden. Die Verluste so niedrig wie möglich zu halten, ist eine große Herausforderung, die wir in Herrmannsdorf sehr ernst nehmen. Die Ferkelverluste sind bei uns mit unter 12% auf sehr guten Niveau und unter dem Durchschnitt aller bayrischen Betriebe.

Ein Wurf besteht meist aus 6 bis 14 Ferkeln, mitunter werden auch mehr geboren. Schwachen Ferkeln füttern wir Ferkelersatzmilch aus Milchpulver zu. Auch Ziegenmilch hat sich bei uns als Zusatznahrung bewährt. Bereits ab dem dritten Lebenstag bekommen die Ferkel auch schon Getreideschrot. Sie sind sehr aktiv, erkunden ihre Umgebung, tollen herum und spielen miteinander. Nach 7 bis 8 Wochen werden die Ferkel von der Sau abgesetzt.

Was passiert mit männlichen Schweinen?

Vielen ist es nicht bewusst: männliche Mastschweine werden kastriert, egal ob in der konventionellen Schweinezucht oder im Öko-Betrieb. Der Eingriff ist notwendig, um unangenehmen Ebergeruch im Fleisch zu vermeiden. Lange Zeit haben Landwirte die Tiere ohne Narkose oder Schmerzmittel operiert. Seit dem Jahr 2006 wird diese Praxis zunehmend kritisch diskutiert. Aber erst ab 1. Januar 2019 ist sie in Deutschland verboten, sofern sie ohne Betäubung durchgeführt wird. Wir in Herrmannsdorf haben im Jahr 2008 beschlossen, unsere männlichen Ferkel weiter zu kastrieren – aber dafür zu sorgen, dass das so schonend wie möglich für die Tiere geschieht.
Narkose mit Isofluran: Kastrieren mit Betäubung

In Herrmannsdorf versetzen wir die Ferkel in eine Kurznarkose. Dazu verwenden wir das Narkosegas Isofluran. Diese Methode wird auch in der Schweiz angewendet. In Deutschland ist sie immer noch wenig verbreitet, weil für die Landwirte zusätzliche Kosten und Mehraufwand entstehen. Wir arbeiten mit diesem Verfahren seit 2008 und waren damit Pioniere in Bayern.

Isofluran darf nur in Anwesenheit eines Tierarztes eingesetzt werden. Die Ferkel atmen es in einem Narkosegerät etwa 90 Sekunden ein, dann ist ihr Bewusstsein komplett ausgeschaltet. Zuvor haben wir ihnen ein Schmerzmittel gespritzt. Sobald die Ferkel betäubt sind, entfernen wir die Hoden mit einem Skalpell. Das dauert nur wenige Sekunden. Danach legen wir sie zurück in ihr Nest. Unser Tierarzt überwacht die Ferkel. Der Vorteil dieser Betäubung mit Isofluran: die Tiere bekommen von dem Eingriff nichts mit, wachen aber kurz danach wieder auf. So können sie rasch zu ihren Müttern zurück.
Die Schmerzspritze hält einige Stunden an und sorgt dafür, dass der Wundschmerz der beiden Schnitte ausgeschaltet bzw. gedämpft wird.

Mit dieser Methode können wir unsere hohen Anforderungen an die Fleischqualität sicherstellen. Gleichzeitig werden wir damit dem Tierschutz bestmöglich gerecht. Die Narkose mit Isofluran erfüllt auch die neuen gesetzlichen Anforderungen ab dem 1. Januar 2019.
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Welche Methoden wenden unsere Partnerbauern an?

Für die ökologische Erzeugung von Schweinefleisch ist die Ebermast – also der bloße Verzicht auf die Kastration – keine Alternative. Das Risiko für Fleisch mit urinartigem Geschmack wäre zu hoch. Außerdem birgt die Haltung von Ebern tierschutzrelevante Probleme. Nach langem Abwägen der derzeit vorhandenen Möglichkeiten spricht sich der Öko-Verband Naturland für die Impfung gegen Ebergeruch aus. Diese Methode gilt als besonders tierschonend, unsere Partnerbauern haben sie Ende 2016 eingeführt. Die männlichen Mastschweine bekommen dabei im Alter von etwa 12 Wochen eine Spritze mit dem Präparat Improvac. Je nach Betrieb und Rasse verabreicht der Landwirt zwei bis drei Impfdosen. Die letzte etwa vier Wochen vor dem Schlachttermin. Die Impfung bewirkt, dass das Immunsystem der Tiere einen wichtigen Botenstoff neutralisiert. Dadurch werden die für den Ebergeruch verantwortlichen Geschlechtshormone vorübergehend nicht gebildet. Die Wirkung ist reversibel, die Impfung hinterlässt keine Rückstände im Fleisch. Weil sie in anderen Ländern, wie zum Beispiel Australien, schon lange angewendet wird, gibt es umfangreiche Praxiserfahrungen dazu. Die Fleischqualität der geimpften Schweine haben wir in unserer Metzgerei genauestens geprüft und für gut befunden.

Wir tun viel für die Gesundheit unserer Schweine

Wir wollen lebensfrohe, starke und gesunde Tiere und bieten ihnen frische Luft, abwechslungsreiches und artgerechtes Futter, effektive Mikroorganismen (EM), und Meerrettich. Wenn die Tiere aber doch einmal krank werden, wollen wir sie so optimal wie möglich versorgen. Der Fokus liegt zunächst auf Homöopathie, nur wenn gar nichts anderes hilft und die Tiere leiden müssten, setzen wir Antibiotika ein. Dazu sind wir als Tierhalter verpflichtet. In Herrmannsdorf sind es erfreulicherweise aktuell (12 Monate, 2016/2017) nur ca. 3% der Schweine, die mit Antibiotika behandelt werden mussten. Wenn wir Medikamente einsetzen, behandeln wir nur das einzelne betroffene Mutterschwein oder Ferkel. Gefüttert wird bei uns möglichst vielfältig mit verschiedenem Getreide, Ackerbohnen, Soja, Molke, Altbrot, gedämpften Kartoffeln und Mineralfutter. Im Sommer mähen wir für die Schweine täglich frisches Kleegras und bringen es ihnen an den Stall, für den Winter machen wir eine saftige Kleegrassilage.

Herrmannsdorfer Schweine - Kleefütterung
Herrmannsdorfer Schweine - Kleefütterung

Bayrisches Bio-Soja

Schweine sind Allesfresser. Ihre Vorfahren, die Wildschweine nehmen in der Natur regelmäßig tierisches Eiweiß auf. Doch in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung ist es nicht erlaubt, tierische Futtermittel einzusetzen. Deswegen sind wir auf pflanzliche Eiweißquellen angewiesen. Nur Sojabohnen enthalten bestimmte lebensnotwendige Eiweiße, die säugende Sauen und Ferkel dringend brauchen. Da Bio-Soja knapp und die Herkunft nicht immer transparent war, haben wir den Anbau von bayerischem Bio-Soja initiiert. Wir haben Verträge mit Ackerbauern geschlossen, die für uns und alle unsere Schweine-Partnerbauern genügend bayerisches Bio-Soja anbauen. Ein echtes Pionierprojekt!

Partner-Schweinebauern

Wir arbeiten zur Zeit mit 14 bayerischen Öko-Betrieben zusammen, die unsere Metzgerei – neben unserer eigenen Schweinehaltung – zusätzlich mit Schweinen beliefern. Wir schlachten in Herrmannsdorf und Kerschlach ca. 60 Schweine in der Woche. Sechs Partnerbauern halten Sauen und mästen deren Ferkel im eigenen Betrieb. Die Geburt findet überall in freier Abferkelung statt. Die übrigen Partner-Bauern mästen Ferkel, die sie im Alter von ca. zwei Monaten von Öko-Sauenhaltern zukaufen. Auch diese Sauenhalter kennen wir überwiegend, oder sie sind selber direkte Lieferanten unserer Metzgerei.
Die Schweine haben auf allen Betrieben einen befestigten Auslauf im Freien, in der Regel aber keine Weide. Das Futter stammt vom jeweiligen Hof oder von anderen Bio-Bauern. Das für die Eiweißversorgung so wichtige Soja beziehen fast alle Partnerbauern aus unserem bayrischem Soja-Netzwerk (s.o.).
Bei den Rassen legen wir Wert darauf, die Herrmannsdorfer Fleischqualität auch für die zugelieferten Schweine garantieren zu können. Entscheidend ist ein höherer Anteil an intramuskulärem Fett. Unsere Schweinebauern halten Edelschweine, Deutsches Landschwein oder Schwäbisch-Hällische als Mutterrassen. Bei den Ebern – die Väter der Mastschweine – gibt es die Rassen Duroc, Schweizer Edelschwein oder Piétrain. Die Mastschweine aus diesen Kreuzungen sind robust und widerstandsfähig. Für die Haltung in den Außenklimaställen eignen sie sich sehr gut.

Herrmannsdorfer Partnerbauern/Schweine (PDF)